Let's make JonDonym!

Philosophie und Technologie

Brauchen wir JonDonym? Die Frage scheint fehl am Platz zu sein, schließlich ist das doch der Blog derjenigen Firma, die diese Software mitentwickelt. Und dennoch, wenn wir uns die westlichen Demokratien anschauen, so benutzt nur ein verschwindend geringer Teil der Bevölkerung Anonymisierungsdienste und die große Mehrheit vermisst nichts beim Surfen im Internet. Also, brauchen wir JonDonym?

Dass eine steigende Vernetzung und mit ihr die IP-Adressen der Nutzer eine immer größere Rolle im täglichen Leben spielen, wird zunehmend deutlicher. Doch auf Grund der anfallenden Daten werden sowohl auf privater als auch staatlicher Seite Begehrlichkeiten geweckt. Das mag im privaten Sektor nur zu Unannehmlichkeiten führen. Aber wenn wir uns das Menetekel einer autoritären Gesellschaft vor Augen führen, wird es zu einem Albtraum, der mit JonDonym wenigstens im Internet gelindert werden kann. Denn allein mit starker Anonymität bestünde in demokratiefeindlichen Staaten überhaupt noch die Möglichkeit, sich online zu organisieren oder zu informieren, um Widerstand gegen die herrschenden Verhältnisse leisten zu können. Das Suchen kritischer Berichte oder das virtuelle Treffen mit Gleichgesinnten ohne Anonymisierung wäre in diesen Zeiten gleichbedeutend mit dem (erfolgreichen) Versuch, sich selbst schwer zu bestrafen.

Doch würde JonDonym unter solch tragischen Umständen überhaupt helfen? Ließe sich nicht in jener Zukunft die Anonymität der Einzelnen mit Hilfe der in Mix-Servern aktivierbaren Überwachungsschnittstelle aufheben? Schließlich könnte man doch gerade das Ansurfen kritischer Webseiten unter schwere Strafe stellen, so dass der dahinter stehende Nutzer (bei wiederholtem Aufruf) von einem gesetzeskonformen JonDonym-Dienst enttarnt würde?

Nun, die naheliegende Antwort auf diese Fragen besteht darin, die einzelnen Mixe in höchst unterschiedlichen Rechtsräumen zu betreiben. Das wird heute schon so gehandhabt und würde auch für das skizzierte Szenario helfen. Denn durch die Verteilung der Mixe ist immer die Möglichkeit gegeben, dass das Aufrufen einer bestimmten Webseite wenigstens in einem Rechtsraum kein Problem darstellt. Schließlich kann die IP-Adresse des Nutzers nur aufgehoben werden, wenn alle Mixe zusammenarbeiten. Die weniger augenscheinliche Antwort ist, dass es in besonders problematischen Situationen auf das Rückgrat der Betreiber und Entwickler ankommen wird. Sie werden Mut benötigen, um die Umsetzung offensichtlich illegitimer Gesetze zu verweigern. Damit es dazu nicht kommt, ist unser aller Engagement als Bürger gefragt. Und als Entwickler gilt es, JonDonym noch sicherer gegen Angriffe zu machen, die darauf abzielen, die Anonymität der Internetbenutzer aufzuheben. Auch wenn wir auf dem Weg dorthin schon viel erreicht haben: es bleibt noch einiges zu tun, auch mit Hilfe von Nutzern, die ihre konstruktive Kritik äußern. In diesem Sinne: Let's make JonDonym!

Georg